Ehemalige Synagoge

Die Synagoge von Neustadtgödens - ein Erinnerungsort

Die jüdische Gemeinde und ihre Synagoge

Die Synagoge von Neustadtgödens (erbaut 1852) gehört zu den wenigen jüdischen
Gotteshäusern in Deutschland, die im äußeren Baubestand erhalten geblieben sind.
Durch verschiedene Umstände fiel sie nicht wie andernorts den Zerstörungen in der
Pogromnacht von 1938 zum Opfer. Nach vielen Umbauten, Renovierungen und den
unterschiedlichsten Nutzungen kann nun das Erdgeschoss nach und nach als
Informationsstätte eingerichtet und damit zu einem Baustein der Erinnerung an
jüdisches Leben und Kultur in Friesland werden.

Die politische Situation in der kleinen Herrlichkeit Gödens ließ für lange Zeit ein
Klima entstehen, dass religiöse Toleranz zuließ und daraus wirtschaftlichen Erfolg zog.
In kaum einem anderen Ort ist auf so dichtem Raum das Miteinander der verschiedensten
Konfessionen und Religionen noch heute nachvollziehbar, für Nordwestdeutschland ist dies
einzigartig. Davon zeugen die erhaltenen Gotteshäuser, also die mennonitische, reformierte,
lutherische und katholische Kirche sowie die jüdische Synagoge.

Aufgrund der stark wachsenden jüdischen Gemeinde, die Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu
einem Viertel der Einwohner von Neustadtgödens ausmachte, wurde 1852/53 der Neubau
einer Synagoge umgesetzt.  Diese zeugt in ihrer Gestaltung von dem wachsenden
Selbstbewusstsein und der Blüte der jüdischen Gemeinde in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts. Vorbild für den Bau im so genannten "Rundbogenstil" war ein Entwurf
für kleine Stadtkirchen von Karl Friedrich Schinkel.
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(Rekonstruktion des Grundrisses der ehemaligen Synagoge, Quelle: Armin Knöfel 1988)

Durch den Ausbau Wilhelmshavens und die Umstrukturierungen in der Landwirtschaft in
dieser Region verlor die jüdische Gemeinde ab 1900 immer mehr Mitglieder. Als dann
ab 1933 die Repressalien gegen die Gemeinde deutlich stärker wurden und von Seiten
der nationalsozialistischen lokalen Behörden "Baufälligkeit" attestiert wurde, fand
aufgrund dieses massiven Drucks schließlich im August 1936 ein Abschiedsgottesdienst
in der Synagoge statt. Sie wurde schließlich im Frühjahr 1938 an einen Privatmann
verkauft. Daher blieb der Synagogenbau während der Pogromnacht im November 1938
unversehrt, während die verbliebene jüdische Bevölkerung Verhaftung und Erniedrigung
ausgesetzt war. Nach verschiedenen Nutzungen, u.a. auch als Feuerwehrhaus, konnte
1986 das Gebäude umfangreich renoviert und restauriert werden.
Nun befindet es sich in Privatbesitz, doch kann das Erdgeschoss ab Juli 2015 der
Öffentlichkeit im Rahmen von Führungen durch Neustadtgödens wieder zugänglich sein.

Bildunterschriften 6

(Die Inneneinrichtung der Synagoge um 1930, Quelle: Egon Hegenscheid)

Gestaltung und Themen

Für diesen einst sakralen Ort, der viel Verwundungen und Verletzungen, Veränderungen
und Umbauten erfahren hat, ist bewusst eine zurückhaltende gestalterische und thematische
Ausrichtung gewählt worden.

Für die Synagoge gibt es  - im Gegensatz zu anderen stark zerstörten jüdischen
Gotteshäusern - gute, fundierte  Rekonstruktionszeichnungen und sogar historische
Außen- und Innenaufnahmen. So ist es möglich, über die Ausstattung und Möblierung
der Synagoge zu informieren. Zudem ist ein spezieller Rundgang zur Geschichte der
Synagoge und der jüdischen Gemeinde erarbeitet worden; Fächerübergreifende
Projektwochen können Schüler und Schülerinnen an die Thematik heranführen.

Im Mittelpunkt der Präsentation steht die Geschichte der jüdischen Gemeinde und
ihrer Synagoge vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Deportation und Ermordung
der letzten jüdischen Einwohner von Neustadtgödens 1941/2. Ein offenes
Erinnerungsbuch gedenkt der jüdischen Bürger, die Opfer der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft wurden.
 
Da für die Synagoge die Themen des jüdischen Glaubens und der religiösen Praxis,
der Einrichtung und Architektur des Gotteshauses im Fokus stehen, ergänzt diese die
bereits bestehende bzw. ebenfalls im Aufbau befindlichen Einrichtungen, wie das
Gröschlerhaus in Jever, sehr gut. So kann die Synagoge in Neustadtgödens zu einem
wichtigen Baustein im Konzept der Erinnerungsorte für den Landkreis Friesland werden.

Das Vorhaben wird in enger Kooperation mit der jüdischen Gemeinde Oldenburg
weiter entwickelt. Zugleich wird eine Kooperation mit den weiterführenden Schulen
im Landkreis Friesland und darüber hinaus aufgebaut.
Außerdem ist die Synagoge eng in das kulturtouristische Konzept der Gemeinde Sande,
des Landkreises Friesland sowie der Oldenburgischen und Ostfriesischen Landschaft
zu diesem Themenkomplex eingebunden.

Wir danken unseren Förderern:
Landkreis Friesland, Gemeinde Sande, Oldenburgische Landschaft, EWE Stiftung

Bildunterschriften 4Besuche und Öffnungszeiten:
Sonntag, 26.07. 14-18 Uhr, außerdem: 15.00 Uhr offene Führung
zum Thema „Jüdisches Leben in Neustadtgödens“
Sonntag, 30.08. 14-18 Uhr
Sonntag, 13.09.10-18 Uhr Tag des offenen Denkmals
Sonntag, 27.09. 14-18 Uhr
Sonntag, 25.10.14-18 Uhr

Selbstverständlich ist eine Besichtigung nach vorheriger
Absprache oder im Rahmen
einer gebuchten Gästeführung ( u.a. auch die Themenführung
"Jüdische Nachbarn") möglich.





(Die Synagoge nach ihrem Umbau von 1986, Quelle: Gemeinde Sande)


Informationen

Gemeinde Sande: 04422-958835
www.landrichterhaus.de

Anfragen für Projekttage/wochen für Schulklassen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Kulturverbund Friesland/Schlossmuseum Jever: www.schlossmuseum.de